Durch ein Wunder (oder Bestimmung) kam Yoga zu mir bevor ich ihn wirklich brauchte.
Anfangs war es für mich einfach Bewegung und eine nette Abwechslung im Alltag. Vieles daran war mir deutlich zu esoterisch und auch das Shavasana (die Tiefenentspannung) am Ende hätte man meinetwegen getrost streichen können.
Trotzdem ging ich sehr gern zu den wöchentlichen Klassen, hierauf kam noch eine Stunde mehr pro Woche dazu, dann noch das Pilates. Aber alles war immer noch nur der Versuch fitter und schlanker zu werden. Was zu diesem Zeitpunkt das Richtige für mich war.
Einmal wöchentlich ging ich in der Mittagspause hin, die Stunde war immer eine Wohltat. Auch hier fand ich das man die langen Atemübungen ruhig hätte streichen können.
Doch ich war zufrieden und meist ausgeglichen in meinem Leben.
Etwas 1 Jahr später kamen die ersten Hindernisse und das unangenehme Erwachen, das das Leben manchmal nicht nach Plan verläuft.
Es klappte einfach nicht mit Kinder kriegen, dazu kamen dann auch noch immer mehr körperliche Beschwerden und dann die Diagnose IC. Noch nie in meinem bisherigen Erwachsenen leben war ich so frustriert, so wütend und unendlich traurig. Mit meinem körperlichen Wohlbefinden stand ich schon seit meiner Jugend auf Kriegsfuss, was augenblicklich noch verstärkt wurde. Das Gefühl zu versagen stellte sich ein und Wut auf meinen Körper kam hinzu. Es war eine abwärts Spirale, erst unbemerkt, dann immer greifbarer. Plötzlich merkte ich auch das in den Yogastunden, die Entspannung wichtiger wurde als die aktiven Phasen. Ich suchte nach Auswegen, nach Möglichkeiten um mich in meinem Körper und in meinem Leben wieder wohlfühlen zu können. Anfangs war noch nicht ganz klar wonach ich wirklich strebte, aber Problemlösung erfordert Kreativität in alle Richtungen. So fand ich die Meditation, die mir eine ganze Welt in meinem Unterbewusstsein eröffnete.
Der sogenannte magische Moment oder die Erleuchtung war es nicht. Aber jeden Tag machte ich einen kleinen Schritt vorwärts. Davon hätte ich zu beginn Nichts in Worte fassen können, auch heute noch ist es mehr ein Gefühl als etwas das ich direkt vermitteln könnte.
Tatsächlich scheute ich darüber zu reden, hatte ich doch das alles selbst noch vor ein paar Jahren als esoterischen Mist abgetan.
Aber der Verstand und auch Worte sind in dem Moment nicht gefragt. Der Zugang zu meinen Gefühlen stand mir frei, langsam spürte ich wieder Verbundenheit mit mir selbst und der Welt, ebenso wie Mitgefühl für mich und andere. Davor fühlte es sich an wie auf einer einsamen Insel zu sein, abgeschnitten von allem und jedem.
Ich hatte die Tür zu meinem Herzen gefunden.
Das war im Jahr 2020/21, nun sind 6 Jahre vergangen, ich meditiere noch immer und bin jetzt selbst Yoga- und Meditationslehrerin.
Die Schmerzen sind deutlich greifbarer geworden und haben sich seit 2021 verstärkt. Mit dem unerfüllten Kinderwunsch habe ich frieden geschlossen und bin froh das es so ist wie es ist.
Meine Symptome passen weder ganz typisch zu IC noch Adenomyose.
Zwei Wochen im Monat bin ich fast Symptom frei, was super toll ist und keinesfalls selbstverständlich bei diesen Diagnosen. Die restlichen 2 Wochen im Monat variieren. Aber auch in diesen Wochen bin ich in der Lage mein Leben zu leben und zu geniessen. Ebenfalls nicht selbstverständlich. Es ist mir durchaus bewusst, dass es bei anderen Frauen deutlich schlimmer und einschränkender ist. Trotzdem kann ich die Schmerzen oft nur schwer ertragen, vorallem wenn ich nachts davon aufwache. Ich übe mich im akzeptieren und annehmen. Atmen und geduldig sein.
Aber nicht nur die Schmerzen sind belastend auch das häufige auf die Toilette rennen, ist im Alltag nicht einfach. Bei geschlossenen öffentlichen Toiletten gerate ich schon fast in Panik. Die eingebaute Toilette in unserem Camper würde ich nicht mehr hergeben, so sind auch Urlaube für mich entspannt. Ausprobiert habe ich schon vieles; verschiedene Schmerzmittel von Schulmedizin über Homöopathie bis hin zu CBD Tropfen, Entspannungstechniken, Blaseninstillationen, Elektrostimulation, die Liste könnte ich noch lange vorsetzen.
Yoga und Meditation sind keine allerwelts Heilmittel. Aber der yogische Weg kann einem im richtigen Moment unterstützen. Den Blick auf das Wesentliche zu richten, das Herz wieder zu öffnen und seinen Körper zu akzeptieren.
